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▪ Gehalt in der Stellenanzeige
Die Gehaltsangabe kommt. Die Frage ist, wie Sie sie formulieren.
Zur Pflicht gibt es viele Texte. Fast alle beantworten dieselbe Frage: ab wann. Die Frage danach bleibt offen, und sie ist die schwierigere. Wie schreibt man eine Gehaltsspanne, die stimmt, die zur Stelle passt und die einem im Gespräch nicht um die Ohren fliegt.
Diese Seite fasst zuerst kurz zusammen, was in der Richtlinie steht. Danach geht es um das Handwerk, und das ist der längere Teil.
Was die Richtlinie verlangt
Vorab, damit klar ist, was diese Seite ist: Sie gibt den Stand der Richtlinie allgemein wieder, mit Fundstellen zum Nachlesen. Sie ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine. Was in Ihrem Betrieb gilt, hängt von Größe, Tarifbindung, Mitbestimmung und bestehenden Gehaltsstrukturen ab. Diese Fragen gehören zu Ihrer Rechtsberatung. Ich schreibe Stellenanzeigen und prüfe Texte, ich prüfe keine Rechtslagen.
Hier steckt das häufigste Missverständnis. Nach Artikel 5 der Richtlinie (EU) 2023/970 sollen Bewerber vor dem Vorstellungsgespräch das Einstiegsentgelt oder dessen Spanne erfahren. Der Artikel nennt als mögliche Wege die Stellenausschreibung oder eine Information vor dem Gespräch.
Der Text schreibt also nicht die Anzeige als einzigen Ort vor. In der Praxis ist sie trotzdem der einfachste Weg, weil eine Angabe dort automatisch jeden erreicht und niemand nachhalten muss, wer die Information wann bekommen hat.
Zwei weitere Punkte betreffen die Anzeige unmittelbar:
- Die Frage nach dem bisherigen Gehalt. Artikel 5 Absatz 2 der Richtlinie sieht vor, dass Arbeitgeber Bewerber nicht nach ihrer bisherigen Vergütung fragen. Unabhängig davon spricht gegen die Frage, dass sie eine einmal zu niedrige Bezahlung fortschreibt.
- Geschlechtsneutrale Ausschreibung und Berufsbezeichnung. Das ist für die meisten Anzeigen nichts Neues, weil in Deutschland bereits das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz entsprechende Vorgaben macht. Praktisch geht es um die Endung hinter dem Stellentitel und um Formulierungen im Text, die nur ein Geschlecht ansprechen.
Wer das liest und erleichtert aufatmet, weil die Anzeige also verschont bleibt, hat den zweiten Teil dieser Seite noch vor sich. Die Pflicht ist der schwächere von zwei Gründen.
Ab wann es gilt
Für die Praxis heißt das: Es gibt keinen Grund zur Eile und keinen Grund zu warten. Wer seine Anzeigen ohnehin überarbeitet, nimmt die Gehaltsangabe jetzt mit. Wer wartet, macht dieselbe Arbeit später unter Zeitdruck und im schlechtesten Fall für alle Anzeigen gleichzeitig.
Der bessere Grund hat nichts mit dem Gesetz zu tun
86 % höhere Bewerbungswahrscheinlichkeit, wenn eine Gehaltsangabe in der Anzeige steht. Gleichzeitig haben nur 12,5 bis 22 Prozent der Anzeigen eine.
Das Institut der deutschen Wirtschaft kommt unabhängig davon zum selben Schluss. Es hat über 2.000 Menschen erfundene Stellenanzeigen vergleichen lassen und ausgewertet, welches Merkmal die Wahl bestimmt. Die Bezahlung wiegt mit 24 Prozent an dritter Stelle. Und: Stellen ganz ohne Gehaltsangabe wurden am seltensten gewählt.
Weglassen ist damit die schlechteste aller Möglichkeiten. Schlechter als eine Zahl, die nicht jedem gefällt. Wer keine Zahl nennt, wird nicht neutral eingeschätzt, sondern schlecht.
Der Grund dafür ist einfach. Jemand, der zehn Anzeigen offen hat, sortiert die ohne Angabe zuerst aus. Nicht aus Prinzip, sondern weil die Bewerbung Arbeit macht und niemand Arbeit in etwas steckt, das vielleicht am Geld scheitert.
Wie eine Spanne formuliert wird, die trägt
Eine Zahl allein reicht nicht. Sie erzeugt zwei Fragen, die Sie besser gleich mitbeantworten: Wovon hängt es ab, wo ich in dieser Spanne lande? Und was ist da eigentlich alles drin?
Das Muster, das beides erledigt:
„Für diese Position liegt unser Gehaltsrahmen je nach Erfahrung und Qualifikation zwischen 48.000 und 56.000 Euro brutto im Jahr. Über die Einordnung entscheiden Ihre Berufsjahre in vergleichbarer Position und Ihre Erfahrung mit [konkretes Fachthema der Stelle]. Hinzu kommen 30 Urlaubstage und ein Zuschuss von 50 Euro monatlich zum Deutschlandticket."
Drei Dinge machen dieses Muster belastbar.
Die Kriterien sind benannt. Wer liest, kann sich selbst einordnen. Das spart Ihnen die Gespräche mit denen, die sich weit über der Spanne sehen, und es nimmt denen die Sorge, die sich unterschätzen.
Die Bezugsgröße steht dabei. Brutto, im Jahr. Ohne diese zwei Wörter ist jede Zahl mehrdeutig. Netto lässt sich ohnehin nicht seriös angeben, weil es von Steuerklasse, Kirchensteuer und Freibeträgen abhängt, die Sie nicht kennen.
Das Drumherum ist beziffert. Urlaubstage und Zuschüsse gehören mit Zahl daneben, nicht in eine Benefits-Liste am Seitenende. Sie sind Teil der Vergütung, also stehen sie beim Geld.
Wenn Sie keine Spanne nennen können oder wollen
Es gibt Fälle, in denen eine Spanne schwierig ist. Tarifbindung, eine Position, die es so noch nicht gab, oder ein Gehaltsgefüge, das im Team gerade nicht sauber ist. Dann gilt: Nennen Sie, was Sie nennen können.
- Bei Tarifbindung: Entgeltgruppe und Tarifwerk nennen, dazu die Jahressumme in Euro. „TVöD Bund, E 11, je nach Stufe 51.200 bis 63.400 Euro brutto im Jahr" ist eine vollständige Angabe. Der Verweis auf den Tarif allein ist keine, weil kaum jemand die Tabelle im Kopf hat.
- Bei einer neuen Position: Die Untergrenze nennen und dazuschreiben, dass nach oben Spielraum besteht. Eine ehrliche Untergrenze ist besser als eine erfundene Spanne.
- Wenn intern noch nichts geklärt ist: Das ist kein Anzeigenproblem. Wer nicht sagen kann, was die Stelle wert ist, weiß auch im Gespräch nicht, was er anbieten darf. Diese Frage gehört vor die Anzeige.
Vier Fehler, die teuer werden
1. Platzhalter statt Zahl
„Attraktive Vergütung", „Bereitschaft zur Überzahlung je nach Qualifikation". Solche Formeln stehen in sehr vielen Anzeigen und nennen keine Zahl.
Für den Leser bedeuten sie alle dasselbe: Wir sagen es nicht. Und das ist die Antwort, die am seltensten zur Bewerbung führt.
Es sind mehr als vier. Zehn Formeln decken fast alles ab, was anstelle einer Zahl in Anzeigen steht. Rechts steht, was ein Leser daraus macht, der schon zwanzig Anzeigen gelesen hat.
| Statt einer Zahl steht da | Was ankommt |
|---|---|
| Attraktive Vergütung | Attraktiv gemessen woran. Der Leser ergänzt die Zahl selbst, meist nach unten. |
| Übertarifliche Bezahlung | Über welchem Tarif? Ohne Tarifwerk und Prozentsatz ist das keine Angabe. |
| Wettbewerbsfähiges Gehalt | Verglichen mit wem. Der Wettbewerb bleibt unbenannt, die Zahl auch. |
| Leistungsgerechte Bezahlung | Erst liefern, dann verdienen. Wer festlegt, was gerecht ist, steht nicht da. |
| Vergütung nach Vereinbarung | Die Zahl entsteht im Gespräch, und wer zuerst eine nennt, verliert. |
| Ihr Gehalt wächst mit Ihnen | Es startet niedrig. Woran das Wachstum hängt und wann es kommt, bleibt offen. |
| Wir honorieren Ihren Einsatz | Honorieren ist nicht bezahlen. Klingt nach Lob und Obstkorb. |
| Branchenübliche Vergütung | Die Branche ist das Argument, nicht die Stelle. In schlecht zahlenden Branchen ist das ein Eingeständnis. |
| Mit Aussicht auf mehr | Eine Aussicht ist keine Zusage. |
| Verhandlungssache | Verhandeln geht in beide Richtungen, und eine Seite kennt das Budget. |
Keine dieser Formeln ist für sich genommen ein Fehler. Auffällig wird es, wenn zwei oder drei davon in derselben Anzeige stehen. Dann liest sich der Vergütungsteil wie eine Ersatzhandlung, und genau so ist er oft auch entstanden: Jemand wollte etwas zum Gehalt schreiben und durfte die Zahl nicht nennen.
Der Ausweg ist immer derselbe. Eine Zahl, eine Spanne oder eine ehrliche Untergrenze. Wie das aussieht, steht weiter oben unter Wie eine Spanne formuliert wird, die trägt.
2. Die Spanne, die keine ist
„35.000 bis 90.000 Euro" ist keine Gehaltsspanne, sondern eine Weigerung mit zwei Zahlen. Als Faustregel: Liegt die obere Grenze mehr als rund die Hälfte über der unteren, glaubt sie niemand mehr, und die Angabe schadet mehr als sie nützt.
Wenn die Spanne wirklich so breit sein muss, weil zwei sehr verschiedene Profile infrage kommen, sind es in Wahrheit zwei Stellen. Dann schreiben Sie zwei Anzeigen.
3. Das Gehalt passt nicht zur Anforderungsliste
Zehn Jahre Erfahrung, Führungsverantwortung, drei Fachgebiete, dazu ein Gehalt aus dem Einstiegsbereich. Diese Kombination sortiert genau die Leute aus, für die die Liste geschrieben wurde. Wer die Anforderungen erfüllt, kennt seinen Marktwert.
Der Prüfschritt dauert eine Minute: Anforderungsteil und Gehaltszeile nebeneinanderlegen und fragen, ob jemand, der alles davon mitbringt, für dieses Geld arbeitet. Wenn nicht, muss eines von beidem sich bewegen.
4. Die Frage nach dem bisherigen Gehalt
Sie steht noch in vielen Bewerbungsformularen, oft als Pflichtfeld. Artikel 5 Absatz 2 der Richtlinie sieht vor, dass danach nicht mehr gefragt wird. Unabhängig davon sorgt die Frage dafür, dass jemand, der bisher unter Wert bezahlt wurde, es weiter wird.
Der Ersatz ist die Frage nach der Gehaltsvorstellung, und die erübrigt sich, wenn Ihre Spanne in der Anzeige steht.
Was die Angabe im Verfahren verändert
Ein Einwand kommt an dieser Stelle regelmäßig: Wenn das Gehalt drinsteht, verliere ich meinen Verhandlungsspielraum.
In der Praxis passiert das Gegenteil. Der Spielraum verschiebt sich nur nach vorn. Bisher verhandeln Sie am Ende eines Verfahrens, in dem Sie schon vier Gespräche investiert haben und der Kandidat weiß, dass Sie ihn wollen. Das ist die schlechtere Position, nicht die bessere.
Steht die Spanne in der Anzeige, bewerben sich die Leute, für die sie passt. Die Gespräche mit denen, die das Doppelte erwarten, finden nicht mehr statt. Bei einer durchschnittlichen Vakanzzeit von 177 Tagen ist das der größere Hebel als die letzten zweitausend Euro.
Der zweite Einwand betrifft die Belegschaft. Wenn draußen 56.000 steht und drinnen jemand mit gleicher Aufgabe 49.000 verdient, gibt es ein Gespräch. Das ist unangenehm und trotzdem kein Argument gegen die Angabe. Diese Ungleichheit besteht bereits, die Anzeige macht sie nur sichtbar. Und der Weg geht ohnehin in Richtung mehr Transparenz, nicht weniger.
Was Sie in zehn Minuten prüfen können
- Steht in Ihrer Anzeige eine Zahl zum Gehalt, oder nur eine Formel wie „attraktive Vergütung"?
- Steht bei der Zahl, ob es sich um brutto handelt und ob sie für Monat oder Jahr gilt?
- Wenn eine Spanne dasteht: Liegt die obere Grenze mehr als die Hälfte über der unteren?
- Steht dabei, wovon die Einordnung innerhalb der Spanne abhängt?
- Passt das genannte Gehalt zu dem, was der Anforderungsteil verlangt?
- Fragt Ihr Bewerbungsformular nach dem bisherigen oder aktuellen Gehalt?
- Zählen Sie, wie viele der zehn Formeln aus der Tabelle in Ihrem Vergütungsteil stehen. Ab zwei liest sich der Abschnitt als Ausweichen.
- Stehen Urlaubstage und Zuschüsse mit Zahl beim Gehalt, oder verstreut am Seitenende?
Diese Seite gibt allgemeine Hinweise aus der Anzeigenpraxis und den Stand der Richtlinie wieder, mit Fundstellen zum Nachlesen. Sie ist keine Rechtsberatung und ersetzt keine. Ob und wie die Vorgaben Ihren Betrieb treffen, hängt vom Einzelfall ab, besonders bei Tarifbindung, Betriebsrat oder gewachsenen Gehaltsstrukturen. Diese Prüfung leistet Ihre Rechtsberatung. Meine Arbeit ist der Anzeigentext. Stand dieser Seite: September 2026.
Die Gehaltszeile ist eine von sieben Stationen
Eine saubere Gehaltsangabe hilft wenig, wenn der Stellentitel nicht gefunden wird oder die Anforderungsliste abschreckt. Der Ratgeber geht den ganzen Weg durch, von der Suche bis zur Rückmeldung.