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▪ Station 3 von 7
Warum Ihre Benefits niemanden überzeugen
Attraktive Vergütung, flexible Arbeitszeiten, familiäres Umfeld, flache Hierarchien, tolles Team. Diese fünf Angaben stehen in fast jeder Stellenanzeige. Was in jeder Anzeige steht, unterscheidet Sie von keiner.
Seit 2019 ist die Zahl der ausgeschriebenen Benefits pro Stelle von 3,6 auf 9,6 gestiegen. Mehr Benefits haben die Entscheidung nicht leichter gemacht, sondern die Listen länger.
Worauf Bewerber tatsächlich achten
Das Institut der deutschen Wirtschaft hat über 2.000 Menschen jeweils drei erfundene Stellenanzeigen vergleichen lassen und statistisch ausgewertet, welches Merkmal die Wahl bestimmt. Das Ergebnis ist unabhängige Forschung, keine Anbieterstudie:
Drei Dinge folgen daraus, und alle drei widersprechen dem, was die meisten Anzeigen machen.
Die Benefits-Liste ist nicht der Hebel, für den sie gehalten wird. Jobticket und Bikeleasing entscheiden mit 11 Prozent. Wenn Ihre Anzeige zwölf Benefits nennt, aber die Homeoffice-Regelung offen lässt, arbeiten Sie am falschen Ende.
Eine Angabe zur Bezahlung darf nie fehlen. Stellen ganz ohne Gehaltsangabe wurden am seltensten gewählt. Weglassen ist also die schlechteste Möglichkeit, schlechter als eine Zahl, die nicht jedem gefällt. Wie eine Gehaltsspanne formuliert wird, die trägt, steht auf der Seite zur Gehaltsangabe.
Tarifbindung ist kein Verkaufsargument. „Leistungsgerechte" oder „marktgerechte" Bezahlung führte ähnlich häufig zur Bewerbung wie ein Branchentarif. Am besten schnitt übertarifliche Bezahlung ab.
Aus Floskeln werden prüfbare Aussagen
Der Unterschied zwischen einer Floskel und einem Argument ist, ob ein Bewerber die Aussage nachprüfen kann. „Flexible Arbeitszeiten" kann jeder behaupten. Eine Kernzeit kann man vergleichen.
| Floskel | Prüfbare Aussage |
|---|---|
| Flexible Arbeitszeiten | Gleitzeit zwischen 6:00 und 20:00 Uhr, Kernzeit 10 bis 14 Uhr |
| Weiterbildungsmöglichkeiten | 1.500 € Weiterbildungsbudget pro Jahr, frei wählbar |
| Familiäres Umfeld | Jeder neue Kollege hat drei Monate lang einen festen Mentor |
| Flache Hierarchien | Bis 2.000 € entscheiden Sie selbst, ohne Freigabe |
| Attraktive Vergütung | 52.000 bis 58.000 € je nach Erfahrung, 13. Gehalt |
| Moderne Arbeitsplätze | Höhenverstellbarer Schreibtisch, zwei Monitore, Laptop zur privaten Nutzung |
| Hybrides Arbeiten | Zwei feste Bürotage pro Woche, Dienstag und Donnerstag |
Bei „hybrid" lohnt eine eigene Bemerkung. Der Begriff wird von Unternehmen sehr unterschiedlich benutzt, von vier Bürotagen bis zu einem im Monat. Wenn die Aufteilung erst im Vorstellungsgespräch kommt, haben Sie bis dahin Leute im Prozess, die aus dem falschen Grund gekommen sind.
So liest die Gegenseite Ihre Liste
Zu jedem Punkt im Angebotsteil macht der Leser eine stille Übersetzung. Die fällt oft ungerecht aus, aber sie fällt. Wer sie kennt, streicht die Hälfte der Liste und beziffert die andere.
| Was in der Anzeige steht | Was der Leser daraus macht | Was daraus ein Argument wird |
|---|---|---|
| Kostenloser Kaffee, Wasser, Obstkorb | Grundausstattung. Wer sie aufzählt, hat wenig übrig. | Streichen. Wenn es um Verpflegung geht: Kantine mit Zuschuss, Betrag pro Tag. |
| Modernes Büro in zentraler Lage | Keine Adresse, keine Fahrzeit, wahrscheinlich kein Parkplatz. | Stadtteil und nächste Haltestelle nennen. Dazu, ob es Parkplätze gibt und was sie kosten. |
| Gute Verkehrsanbindung | Es gibt kein Jobticket, sonst stünde das da. | Jobticket oder Fahrtkostenzuschuss, mit Betrag pro Monat. Eine Bahnlinie in der Nähe ist keine Leistung des Arbeitgebers. |
| Duz-Kultur ab dem ersten Tag | Nähe ersetzt keine Beförderung. | Die Anrede kostet nichts. Interessant wird die Zeile darunter: wer entscheidet was, und wie sieht der nächste Schritt aus. |
| Firmenevents und Teamausflüge | Samstagabend, unbezahlt, Anwesenheit erwünscht. | Dazuschreiben, ob es Arbeitszeit ist. Ein Betriebsausflug während der Arbeitszeit ist etwas anderes als ein Sommerfest am Wochenende. |
| Rabatte bei Partnerunternehmen | Ein Portal mit Prozenten auf Dinge, die man ohnehin nicht kauft. | Zwei, drei Beispiele nennen, die zur Belegschaft passen. Sonst weglassen. |
| Betriebliche Altersvorsorge | Das muss jeder Arbeitgeber anbieten. | Stimmt: 15 Prozent Zuschuss bei Entgeltumwandlung sind seit 2022 für alle Verträge Pflicht. Ein Argument ist nur, was darüber liegt. Also die Prozentzahl nennen. |
Ein Satz reicht als Prüfung für die ganze Liste: Was kostet dieser Punkt das Unternehmen pro Person und Jahr? Kaffee und Duz-Kultur kosten nichts. Ein Weiterbildungsbudget, ein Jobticket und ein bezahlter Ausflugstag kosten etwas, und genau deshalb glaubt sie jemand.
Lange Listen stehen auffällig oft dort, wo die Gehaltsangabe fehlt. Das fällt auf. In der Auswertung des IW wiegt die Bezahlung mit 24 Prozent mehr als doppelt so schwer wie alle Benefits zusammen.
Der eine Benefit, der zeigt, dass Sie den Job kennen
Bei einem Anbieter für ambulante Therapie gibt es einmal im Jahr neue Lieblingsschuhe. Nicht als Gimmick, sondern weil die Leute den ganzen Tag auf den Beinen sind und Schuhe verschleißen.
Das kostet wenig, passt exakt zu diesem Beruf und lässt sich nicht kopieren, ohne dass es auffällt. Genau das ist der Unterschied zwischen einem Benefit und einer Aufzählung.
Für Ihre Anzeige die Frage: Gibt es einen solchen Punkt? Und wenn nicht, welcher wäre für diesen Beruf naheliegend? Die Antwort kennt selten die Personalabteilung. Sie kennen die Leute, die den Job machen.
Sortieren nach dem, was zählt
Gehalt, Arbeitszeit, Arbeitsort und Urlaub gehören an den Anfang des Angebotsteils. Nicht ans Ende zwischen Obstkorb und Wasserspender. Wer im Scrollmodus liest, sieht das Ende nicht.
In der Sprache der Bewerber
Jemand sucht nach „einem Unternehmen, in dem ich mitreden kann", nicht nach „partizipativer Unternehmenskultur". Das gilt doppelt, seit Bewerber ihre Suche als ganzen Satz an eine KI stellen. Fachsprache wird dabei nicht gefunden.
Was welche Zielgruppe antreibt
Hinter jeder Jobentscheidung stehen drei Motive: Sicherheit, Autonomie, Sinn. Welches überwiegt, hängt vom Berufsfeld ab. Eine Anzeige, die das falsche Motiv anspricht, klingt für die Zielgruppe fremd, selbst wenn jedes Wort stimmt.
- IT und Technik: Gestaltungsfreiheit und Einfluss auf Entscheidungen. „Agiles Umfeld" ist als Begriff verbraucht.
- Vertrieb: Anerkennung und sichtbarer Erfolg. Wettbewerb besser als Gemeinschaftserfolg rahmen, nicht als Einzelkampf.
- Gewerblich-technisch: Sicherheit. Planbarkeit, pünktlicher Lohn, verlässliches Team. Marketingsprache wirkt hier fehl am Platz.
- Pflege und Gesundheit: Sinn, dazu faire Arbeitszeiten und verlässliche Schichtplanung. Keine Heldenrhetorik, „die stillen Helden des Alltags" wirkt pathetisch statt wertschätzend.
- Handel, Dienstleistung, Gastronomie: Anerkennung und Gemeinschaft.
Für Berufe ohne Homeoffice-Option tritt an die Stelle der Homeoffice-Regelung die Planbarkeit. Wer im Store, in der Werkstatt, in der Pflege oder in der Produktion arbeitet, will wissen, wie verlässlich die Dienst- und Schichtplanung ist. Das gehört dann genauso weit nach oben.
Was Sie in zehn Minuten prüfen können
- Steht eine Angabe zur Bezahlung in der Anzeige?
- Steht drin, ob die Stelle befristet ist?
- Steht die Homeoffice-Regelung konkret drin, mit Zahl der Bürotage? Bei Präsenzberufen: steht etwas zur Planbarkeit der Schichten?
- Suchen Sie nach: familiär, flach, dynamisch, attraktiv, modern, tolles Team. Jeder Treffer braucht entweder eine Zahl oder muss raus.
- Streichen Sie jeden Punkt, den jedes Büro hat: Kaffee, Wasser, Obst, WLAN, Bürostuhl.
- Steht bei der Altersvorsorge, wie viel Sie über die gesetzlichen 15 Prozent hinaus zahlen?
- Steht bei Firmenevents, ob sie in der Arbeitszeit stattfinden?
- Stehen Gehalt, Arbeitszeit, Ort und Urlaub am Anfang des Angebotsteils?
- Gibt es einen Punkt, den ein Wettbewerber nicht wortgleich übernehmen könnte?
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Bis hierher ging es um den Text. Ab jetzt geht es darum, ob ihn überhaupt jemand zu sehen bekommt.