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Ratgeber / Zeugnisse ab 50

Ratgeber für Bewerberinnen und Bewerber

Welche Zeugnisse gehören in eine Bewerbung ab 50?

Die kurze Antwort: das letzte Arbeitszeugnis, dazu die zwei bis drei davor, und ein Nachweis über die Ausbildung oder das Studium.

Schulzeugnisse und alles, was älter als etwa fünfzehn Jahre ist, können Sie weglassen, solange die Ausschreibung nichts anderes verlangt.

Was sich bei der Bewerbung ab 50 ändert

Mit 30 haben Sie drei Zeugnisse. Mit 50 haben Sie zwölf. Der Stapel wächst mit jedem Jahr, der Teil davon, den jemand tatsächlich liest, wird kleiner.

Dazu kommt eine zweite Sache, über die selten jemand spricht: Ein vollständiger Stapel ab 1985 macht Ihr Alter auf den ersten Blick sichtbar, noch bevor irgendjemand Ihren Lebenslauf gelesen hat. Das ist kein Grund, etwas zu verschweigen. Es ist ein Grund, nur das mitzuschicken, was für diese eine Stelle etwas aussagt.

Was mitgeschickt wird

Das letzte Arbeitszeugnis

Das ist das wichtigste Papier im ganzen Stapel. Wenn nur eines gelesen wird, dann dieses.

Die zwei bis drei Zeugnisse davor

Sie zeigen den Verlauf. Mehr braucht es selten, und mehr wird oft nicht gelesen.

Der Abschluss, auf dem Ihr Beruf steht

Ausbildungszeugnis, Facharbeiterbrief, Diplom, Bachelor oder Master. Eines davon, je nachdem, worauf Ihre Laufbahn aufbaut.

Was in der Ausschreibung ausdrücklich verlangt wird

Steht dort „Führerschein Klasse B" oder „Nachweis über die Ausbildereignung", dann gehört genau das dazu, auch wenn es sonst niemand mitschickt.

Zertifikate, die für diese Stelle zählen

Eine Fachprüfung, ein Herstellerzertifikat, die Ausbildereignung: Wenn die Anzeige das verlangt, gehört der Nachweis dazu. Alles andere nicht.

Was Sie weglassen können

Schulzeugnisse

Nach der ersten Festanstellung interessiert das Abiturzeugnis niemanden mehr. Ausnahme: Ein Bildungsträger oder der öffentliche Dienst verlangt es ausdrücklich, dann liegt es an der Formalie und nicht an Ihnen.

Alles, was älter als etwa fünfzehn Jahre ist

Ein Zeugnis von 2004 sagt über Ihre heutige Arbeit nichts mehr aus. Es verlängert nur den Stapel.

Teilnahmebescheinigungen von Halbtagesseminaren

Zertifikate gehören nur dazu, wenn sie für diese Stelle etwas bedeuten. Zehn Bescheinigungen ohne Bezug wirken wie Fülle, nicht wie Qualifikation.

Alte Zwischenzeugnisse, zu denen es längst ein Endzeugnis gibt

Wenn es ein Endzeugnis derselben Firma gibt, reicht das Endzeugnis.

Was sich mit dem Alter ändert

Welche Zeugnisse in die Bewerbung gehören, fragen Menschen mit 30 genauso wie mit 50. Die Antwort ändert sich dabei weniger, als man denkt. Nur die Auswahl wird schärfer.

Ihre LageWas dazugehört
Nach der Ausbildung oder dem Studium Abschlusszeugnis, Praktikumsbelege, das Abiturzeugnis oder der Schulabschluss. Hier ist der Stapel klein, deshalb darf alles mit.
Ab etwa 30 Das erste und zweite Arbeitszeugnis, dazu der Abschluss. Das Schulzeugnis kann weg.
Ab etwa 40 Die letzten drei Arbeitszeugnisse und der Abschluss. Frühe Stationen werden zur Fußnote im Lebenslauf, das Zeugnis dazu braucht niemand.
Ab etwa 50 Das letzte Arbeitszeugnis, zwei bis drei davor, der Abschluss. Und die Entscheidung, welche Zertifikate für diese eine Stelle sprechen.

Die Altersangaben sind Anhaltspunkte, keine Regeln. Entscheidend ist immer, was für die Stelle etwas aussagt.

In welcher Reihenfolge

Rückwärts, wie im Lebenslauf. Das jüngste Zeugnis liegt oben, das älteste unten. Innerhalb einer Bewerbung bleibt die Reihenfolge über alle Dokumente gleich.

Die Reihenfolge im Gesamtpaket lautet: Anschreiben, Lebenslauf, dann die Zeugnisse. Ein Deckblatt ist keine Pflicht, und ohne fehlt nichts.

Wie viele es sein sollten

Als Faustregel: Die ganze Bewerbung passt in eine PDF-Datei unter fünf Megabyte. Das sind je nach Scanqualität vier bis sechs Zeugnisse. Wer mehr mitschickt, zwingt jemanden zum Blättern, der wenig Zeit hat.

Wenn eine Stelle wirklich mehr verlangt, steht das in der Ausschreibung. Dann gilt die Ausschreibung.

Wenn ein Zeugnis fehlt

Das kommt häufiger vor, als Sie denken, und es ist meistens kein Beinbruch.

Ein häufiger Fall sieht so aus: Der Arbeitgeber fordert Schul- und Ausbildungszeugnisse nach. Die meisten liegen innerhalb eines Tages als Scan vor. Eines nicht, weil der Bildungsträger, bei dem der Abschluss gemacht wurde, gar nicht mehr existiert. Die Urkunde ist weg, digital und auf Papier.

Was in so einem Fall funktioniert:

  • Den fehlenden Nachweis offen benennen, schon in der Bewerbung. Ein Satz reicht. Verschwiegen fällt es später auf und wirkt dann nach Absicht.
  • Bei aufgelösten Einrichtungen bei der Nachfolgeeinrichtung anfangen, danach beim zuständigen Landesarchiv. Bei aufgelösten Firmen beim Insolvenzverwalter oder beim zuständigen Archiv.
  • Für ein verlorenes Arbeitszeugnis den früheren Arbeitgeber um eine Zweitschrift bitten. Solange die Firma existiert, ist das ein normaler Vorgang.
Finger weg von Anbietern, die Ersatzurkunden verkaufen

Wer nach „Zeugnis Zweitschrift" oder „Urkunde Ersatz" sucht, landet in den ersten Treffern bei Anbietern, die gefälschte Urkunden verkaufen. Die Seiten sehen seriös aus. Finger weg. Eine gefälschte Urkunde ist eine Straftat und kostet Sie im Zweifel die Stelle und mehr.

Beim Hochladen geht mehr schief als beim Auswählen

Sechs gängige Bewerbungssysteme, an einem Tag durchgetestet. Jeder dieser Punkte ist dabei wirklich passiert.

  • Manche Portale haben getrennte Felder für Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnisse, andere nur ein einziges. Vor dem Zusammenbauen nachsehen, welches der Fall ist.
  • Der Dateiname wird mitgelesen. „Firmenname – Lebenslauf Vorname Nachname.pdf" ist brauchbar, „Scan_0007.pdf" nicht. Und nie eine laufende Nummer: Wer „24 – Lebenslauf.pdf" schickt, sagt damit, dass es die vierundzwanzigste Bewerbung ist.
  • Die Größe deckelt fast jedes System, oft bei fünf oder zehn Megabyte. Scans mit 300 dpi in Graustufen reichen völlig und sind ein Bruchteil so groß.
  • Der Lebenslauf-Upload überschreibt Felder, die Sie vorher schon ausgefüllt haben. Manche Systeme lesen die Datei aus und tragen die Werte selbst ein, oft falsch. Vor dem Absenden noch einmal jedes Feld durchsehen.
  • Nach dem Absenden sofort die Bestätigung sichern, als Bildschirmfoto und als Mail. Wer das auf den Abend verschiebt, hat es nicht mehr. Sie brauchen den Nachweis später für sich selbst und für die Agentur für Arbeit, wenn Sie Leistungen beziehen.

Häufige Fragen

Welche Zeugnisse legt man einer Bewerbung bei?

Das letzte Arbeitszeugnis, die zwei bis drei Zeugnisse davor und den Nachweis über Ausbildung oder Studium. Dazu alles, was die Ausschreibung ausdrücklich verlangt. Schulzeugnisse gehören nach der ersten Festanstellung nicht mehr dazu.

Welche Zeugnisse gehören ab 40 in die Bewerbung?

Die letzten drei Arbeitszeugnisse und der Berufsabschluss. Frühe Stationen stehen im Lebenslauf, das zugehörige Zeugnis braucht niemand mehr. Ab 50 wird die Auswahl noch etwas schärfer, die Regel bleibt dieselbe.

In welcher Reihenfolge kommen die Zeugnisse?

Rückwärts, wie im Lebenslauf: das jüngste zuerst, das älteste zuletzt. Im Gesamtpaket steht zuerst das Anschreiben, dann der Lebenslauf, dann die Zeugnisse.

Wie viele Zeugnisse sollten es sein?

Vier bis sechs, und die ganze Bewerbung sollte als eine PDF-Datei unter fünf Megabyte bleiben. Wer mehr mitschickt, zwingt jemanden zum Blättern, der wenig Zeit hat.

Was mache ich, wenn ein Zeugnis fehlt?

Benennen Sie es offen in der Bewerbung, ein Satz genügt. Parallel beschaffen: beim früheren Arbeitgeber um eine Zweitschrift bitten, bei aufgelösten Einrichtungen zuerst die Nachfolgeeinrichtung fragen und danach das zuständige Landesarchiv. Finger weg von Anbietern, die Ersatzurkunden verkaufen, das sind Fälschungen.

Muss ich Zeugnisse beglaubigen lassen?

Für die Bewerbung nicht. Beglaubigte Kopien werden erst verlangt, wenn es konkret wird, und dann sagt der Arbeitgeber es Ihnen. Der öffentliche Dienst ist die häufigste Ausnahme, dort steht es meist schon in der Ausschreibung.

Schadet ein schlechtes Zeugnis mehr als ein fehlendes?

Ein fehlendes Zeugnis wirft eine Frage auf, ein schwaches beantwortet sie. Beides lässt sich erklären, aber nur, wenn Sie es selbst ansprechen. Am ungünstigsten ist die Lücke, über die niemand redet.

Zeigen Zeugnisse ab 50 nicht einfach nur mein Alter?

Ein vollständiger Stapel ab den Achtzigern tut genau das. Deshalb ist die Auswahl wichtiger als die Vollständigkeit. Ihr Alter steht ohnehin im Lebenslauf, und dazu stehen sollten Sie auch. Was Sie steuern können, ist der Eindruck, dass Sie Ihre eigenen Unterlagen im Griff haben.

Und wenn die Frage größer ist als der Zeugnisstapel

Wenn Sie gerade nicht nur wissen wollen, welches Papier mitgeht, sondern wohin es überhaupt gehen soll: Dafür gibt es hier einen Selbsttest mit 11 Fragen.

Sabine Vockrodt, Recrusa. Berufliche Neuorientierung ab 50, in Berlin und online in ganz Deutschland. Ich schreibe für Unternehmen die Stellenanzeigen, auf die Sie sich bewerben, und weiß deshalb, was in der Vorauswahl passiert.