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Ratgeber für Bewerberinnen und Bewerber

Fragen an den neuen Arbeitgeber: was hinter den Sätzen der Anzeige steckt

Die Sätze, die Sie im Vorstellungsgespräch hören, standen meistens vorher schon in der Stellenanzeige. Ich schreibe solche Anzeigen und weiß, warum sie dort stehen.

Hier sind sieben davon, mit der Frage, die Sie dazu stellen können.

Fragen Sie nach einem Beispiel, nicht nach einer Einschätzung

„Wie sind bei Ihnen die Hierarchien?“ bekommt immer dieselbe Antwort: flach. Wer so fragt, legt die gewünschte Antwort gleich mit hinein. Eine Frage nach einer konkreten Situation lässt sich nicht so glatt beantworten. Deshalb stehen in der rechten Spalte fast nur Fragen nach etwas, das schon passiert ist.

Sieben Sätze aus Stellenanzeigen

Was in der Anzeige steht Was es auch heißen kann Was Sie im Gespräch fragen
„Leistungsgerechte Vergütung“ oder „attraktives Gehalt“ Es gibt keine feste Spanne. Der Betrag wird einzeln verhandelt, und wer schlecht verhandelt, verdient dauerhaft weniger. „Welche Spanne ist für diese Stelle vorgesehen, und wann wird das Gehalt das nächste Mal angesehen?“
„Flache Hierarchien“ Entweder entscheiden viele mit. Oder einer entscheidet alles und nennt es flach. „Wer hat zuletzt entschieden, dass etwas anders gemacht wird, und wie kam die Entscheidung zustande?“
„Abwechslungsreiche Aufgaben“ Die Stelle ist nicht klar zugeschnitten. Sie übernehmen, was gerade liegen bleibt. „Wie sah die vergangene Woche auf dieser Stelle aus? Was hat die meiste Zeit gekostet?“
„Junges, dynamisches Team“ Oft ist es nur gedankenlos formuliert. Es kann aber auch heißen, dass im Team niemand in Ihrem Alter arbeitet und sich darüber noch niemand Gedanken gemacht hat. „Wie ist das Team zusammengesetzt, und wer ist am längsten dabei?“
„Belastbarkeit“ oder „stressresistent“ Es gibt regelmäßig mehr Arbeit als Leute. „Wann war zuletzt richtig viel los, und wie hat das Team das aufgefangen?“
„Wir sind mehr als ein Team“ Enger Zusammenhalt, wenig feste Regeln. Die Grenze zwischen Dienst und Feierabend ist nicht immer klar gezogen. „Wie werden Überstunden bei Ihnen ausgeglichen, und wer schreibt sie auf?“
„Hybrides Arbeiten möglich“ Viele Unternehmen meinen damit etwas anderes als Sie. Manchmal muss jeder Tag zu Hause einzeln abgesprochen werden. „Wie viele Tage pro Woche arbeitet das Team tatsächlich von zu Hause, und wer legt das fest?“

Keine Warnliste

Derselbe Satz kann in zwei Firmen völlig verschieden gemeint sein. „Wir sind mehr als ein Team“ heißt im einen Betrieb, dass alle zur Weihnachtsfeier müssen, und im anderen, dass jemand einspringt, wenn Ihr Kind krank ist. Die mittlere Spalte sagt, was ein Satz heißen kann. Was er bei diesem Arbeitgeber heißt, erfahren Sie nur durch die Frage.

Ob eine Antwort für Sie eine Warnung ist, hängt davon ab, wie Sie arbeiten wollen. Wer gern viel selbst entscheidet, hört bei „flachen Hierarchien“ etwas anderes als jemand, der klare Zuständigkeiten sucht.

So nutzen Sie die Tabelle

Vorher die Anzeige durchgehen.

Welche der Sätze stehen darin? Streichen Sie sie an, bevor Sie ins Gespräch gehen.

Zwei oder drei Fragen auswählen, nicht sieben.

Nehmen Sie die, deren Antwort für Ihre Entscheidung wirklich zählt. Ein Gespräch ist kein Verhör.

Auf die Antwort achten, nicht nur auf den Inhalt.

Wer sofort ein Beispiel nennt, hat eines. Wer ausweicht oder allgemein bleibt, hat vielleicht keines.

Häufige Fragen

Darf ich im Vorstellungsgespräch nach dem Gehalt fragen?

Ja. Nennt die Anzeige keine Zahl, fragen Sie nach der Spanne, die für die Stelle vorgesehen ist. Das ist eine sachliche Frage und wird auch so verstanden.

Wie viele Fragen sollte ich am Ende des Gesprächs stellen?

Zwei oder drei, die Sie sich vorher ausgesucht haben. Eine Liste abzuarbeiten wirkt wie ein Verhör. Keine einzige Frage zu stellen wirkt, als wäre Ihnen die Stelle gleichgültig.

Was mache ich, wenn die Antwort ausweicht?

Einmal freundlich nachfragen, mit der Bitte um ein Beispiel. Bleibt die Antwort dann allgemein, ist das auch eine Auskunft. Notieren Sie sie und entscheiden Sie nach dem Gespräch, wie schwer sie für Sie wiegt.

Und im Gespräch selbst?

Seit viele ihre Unterlagen mit KI schreiben, hat sich geändert, worauf Personaler im Gespräch achten.

Arbeitgeber lesen bei mir die andere Hälfte: was ihre Angebotsliste bei Bewerbern auslöst.